Neuigkeiten aus der Branche

Der Point of Sale muss zum echten Erlebnis werden

Erstellt von Name des Autors am 11. April 2018 - 8 Minuten zum Lesen

Peter Obeldobel, 1. Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bahnhofsbuchhändler e. V. über neue Magazin-Titel, aktuelle Erkenntnisse aus der Kundenbefragung und Notwendigkeit der Vernetzung von Verlagen und Bahnhofsbuchhandel.

 

Peter Obeldobel, 1. Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bahnhofsbuchhändler e. V. über die Bedeutung neuer Magazin-Titel, aktuelle Erkenntnisse aus der Kundenbefragung und die zunehmende Notwendigkeit der Vernetzung von Verlagen und Bahnhofsbuchhandel.

DnV: Herr Obeldobel, wie hat sich die Branche des travel Retails im Geschäftsjahr 2017 entwickelt?

Peter Obeldobel: Im täglichen Miteinander spüren wir immer mehr, dass der deutsche Bahnhofsbuchhandel ein sehr wichtiger Vertriebskanal für die Verlage ist. Die Entwicklung im Bereich Presse und Buch ist leider rückläufig – insbesondere bei der Tagespresse. Dies hat einen großen Einfluss auf die täglich wiederkehrende Frequenz.

DnV: Welche besonderen Branchenhighlights verzeichneten Sie 2017?

Obeldobel: Das Segment der politischen Presse hat 2017 ganz klar vom Wahljahr profitiert und konnte erstmals wieder auf Vorjahresniveau abschließen. Frauenzeitschriften hingegen haben erstmals stark verloren. Wir registrieren, dass die Kunden teilweise in die sozialen Netzwerke abwandern. Auf der anderen Seite entwickeln sich Special Interest-Titel sehr stabil. MindMagazine wie Flow, Happinez, Hygge und jetzt der neue Titel Cord liegen im Trend – erfolgreiche Neueinführungen, die für uns von immenser Bedeutung sind.

DnV: Wenn Sie ihren Verband betrachten: Wo liegen die hauptaufgaben für die nächste und die mittlere Zukunft?

Obeldobel: Wir müssen noch enger mit den Verlagen zusammenrücken, zusammen Initiativen entwickeln, die dem Bahnhofsbuchhandel Kunden zuführen. Umso wichtiger ist daher unsere gemeinsam durchgeführte Kundenbefragung, an der erstmals mit dem DPV Deutscher Pressevertrieb und der Edel Verlagsgruppe zwei Partner auf der Verlagsseite teilgenommen haben. Die Umfrage liefert uns wichtige Erkenntnisse für unsere Arbeit am Kunden. Bei den ersten gemeinsamen Aktivitäten wie dem Abhol-Abo, bei dem der Kunde seine Prämie direkt vor Ort erhält, der Prepaid-Geschenkkarte, Click & Collect im Buchbereich oder bei neuen Wegen in der digitalen Kommunikation am Point of Sale zeigen Zahlen die ersten Erfolge. Aktuell testen wir sogar erstmal den Verkauf eines echten Abos über den Point of Sale. Hier müssen wir gemeinsam nach kreativen Lösungen suchen, diese schnellstmöglich testen und anschließend in die Umsetzung bringen.

DnV: Wie ist der Stand der Dinge bei der lern- und Schulungsplattform des Verbandes?

Obeldobel: Die Grundstruktur ist bereits entwickelt. Aktuell sind wir am Aufbau der ersten Schulungen. Gleichzeitig sind wir im Gespräch mit den Verlagen und diskutieren Möglichkeiten, wie sich diese einbringen können.

DnV: Wie schwierig ist es augenblicklich für die Branche, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden?

Obeldobel: Dies ist in der Tat eine echte Herausforderung vor dem Hintergrund der aktuellen Arbeitsmarktsituation. Umso wichtiger ist es für uns, die Attraktivität 14 dnv 6 / 2018 BahnhOFSBUChhanDEl dieser Branche und das interessante Arbeitsumfeld mit Kundenkontakt und vielfältigen Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten gezielt nach außen zu tragen.

DnV: ist ein neuer Webauftritt des Verbandes geplant?

Obeldobel: : Ja, daran arbeiten wir. Gern möchten wir das neue Look & Feel, das wir für die neue Marketing-Broschüre „Hotspots der Kommunikation“ entwickelt haben, auch hier umsetzen. Gleichzeitig möchten wir bei dieser Gelegenheit das Responsive Webdesign umsetzen. Insgesamt möchten wir den Auftritt deutlich attraktiver und aktueller für unsere Besucher im Internet gestalten. Einen ersten Eindruck werden wir den Mitgliedern auf der kommenden Veranstaltung präsentieren können.

DnV: im letzten Jahr äußerten Sie im öffentlichen teil der Jahrestagung einige Wünsche an die Verlage, darunter mutiger und konsequenter Umgang mit Eckpreisen, mehr erfolgreiche neuheiten. außerdem wünschten Sie sich mehr austausch über mögliche digitale aktivitäten und eine gemeinsame Kampagne für den Bahnhofsbuchhandel. außerdem zeigten Sie Offenheit gegenüber dem thema abo und sonstigen gemeinsamen Vermarktungsaktivitäten. Welche dieser Wünsche wurden schon erfüllt?

Obeldobel: Zunächst einmal freue ich mich sehr darüber, dass ich auf eine große Bereitschaft gestoßen bin, sich intensiver mit uns auseinanderzusetzen. Generell glaube ich zu erkennen, dass die Verlage mutiger mit Preiserhöhungen umgehen – insbesondere im Pressebereich. Leider hat es auch in 2017 keine einzige Neueinführung im Pressebereich in die TOP 50 geschafft.

Das Thema Abhol-Abo wurde erfolgreich gemeinsam getestet, und aktuell sind wir sogar dran, ein erstes Abo über den Point of Sale zu vermarkten. Darüber hinaus wird erstmals eine PrepaidGeschenkkarte getestet. Auch Digital Signage erfreut sich einer zunehmenden Beliebtheit. Durch die Verknüpfung einer Sonderplatzierung mit bewegtem Bild lassen sich die Abverkäufe deutlich steigern. Über alle Bahnhofsbuchhandlungen hinweg sind ca. 110 Standorte insgesamt mit einer derartigen Technik ausgestattet, die auch kurzfristige Werbeerfolge ermöglicht.

DnV: Wie entwickeln sich die Online-Shops, also Click & Collect? Wie will die Branche ihre E-Commerce-aktivitäten weiterentwickeln?

Obeldobel: Ein erster Schritt ist, dass der Kunde unsere Verkaufsstellen über mykiosk finden wird. Grundsätzlich glaube ich, dass wir gemeinsam mit den Verlagen kanalübergreifend stärker zusammenarbeiten müssen. Das heißt, dass es durchaus Sinn macht, dass die Verlage mit ihren digitalen Aktivitäten die Kunden zum Point of Sale führen können. Schließlich liegen wir auf dem Weg des Kunden und dieser begeistert sich zunehmend für conveniente Lösungen. Ich persönlich glaube nicht daran, dass die Zukunft insbesondere im Special Interest im Download von Magazinen liegt, sondern vielmehr an einer intensiveren Vernetzung zwischen den Verlagen und uns. Für mich ist das regelrecht eine „Schicksalsgemeinschaft“ – Special Interest und Bahnhofsbuchhandel. Wir brauchen einander und sind gut damit beraten, viel intensiver zusammen zu arbeiten.

DnV: Viele Unternehmen der Branche haben in der Vergangenheit im alleingang innovative Services entwickelt bzw. getestet, z. B. in den Bereichen „Payment“, wie barzahlen.de, Mobile Payment etc. oder „Ordering“, wie Vorbestellen und Bezahlen von Kaffee oder Snacks per Smartphone, Bestell-terminals im Shop. Sehen Sie in diesen Bereichen eine Chance für eine verstärkte Zusammenarbeit auf Verbandsebene, um erfolgreiche Konzepte bundesweit auszurollen?

Obeldobel: Das werden unsere Mitglieder untereinander auch weiterhin so tun. Ich freue mich aber, wenn wir alle gemeinsam neue Serviceleistungen anbieten. DnV: Wie beurteilen Sie die Perspektiven des non Press-Geschäfts? Obeldobel: Auch hier gibt es noch Potenzial in dem wir noch konsequenter die uns gegebenen Möglichkeiten nutzen – die Menschen wollen in ihrem bewegten Alltag und auf Reisen schnell und unkompliziert versorgt werden. Und wir haben in unserer Studie gelernt, dass über 80 Prozent unserer Kunden am Bahnhof nur in unsere Geschäfte gehen, ein klassisches OneStop-Shopping – Anspruch und Chance zugleich.

DnV: Was will der Verband unternehmen, um die Bedeutung der Branche travel Retail weiter auszubauen?

Obeldobel: Für eine zukunftsweisende Ausrichtung des Travel Retail ist es von elementarer Bedeutung, Print- und OnlineAngebote klug miteinander zu verzahnen – und damit dem Kunden einen echten Mehrwert zu bieten. Gleichzeitig liegt uns daran, noch mehr Menschen mit attraktiven Angeboten und Dienstleistungen an die Filialen zu binden und den Einkauf am Point of Sale für sie zum echten Erlebnis zu machen. Durch verbandsübergreifende Aktivitäten können wir einen positiven Gesamteindruck erzeugen, sodass der Kunde spürt, wofür der Bahnhofsbuchhandel in seiner Gesamtheit steht: für höchste Viel falt, Internationalität und convenientes Reisen. Hier sind wir bereits auf einem guten Weg, schauen aber natürlich immer, wie wir uns noch verbessern und die Kunden immer wieder aufs Neue überraschen können.

DnV: Was werden die highlights der tagung in Berlin sein und worauf freuen Sie sich dabei besonders?

Obeldobel: Ich freue mich auf Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Zeit – einen Redner mit langjähriger Medienerfahrung und exzellentem Fachwissen. Er wird der Frage nachgehen, was guten Journalismus auch jetzt noch erfolgreich macht. Ebenfalls freue ich mich, dass Horst Mutsch, Leiter Geschäftseinheit Vermietung/Marketing/ServiceStore DB Station & Service AG, sich für unsere öffentliche Jahreshauptversammlung Zeit nimmt und als Vermietungs-Chef ein Grußwort der DB an uns richtet. Mit Joey Kelly ist es uns gelungen, einen starken Redner zum Thema „No limits – Wie schaffe ich mein Ziel“ zu gewinnen. Ein wichtiger Impuls in der heutigen Zeit. Darüber hinaus werden wir die Ergebnisse der zweiten Kundenbefragung im Bahnhofsbuchhandel präsentieren – Sie können gespannt sein! Außerdem freuen wir uns auf den Mitgliederabend, gesponsert von den Verlagen Handelsblatt, Tagesspiegel, Spektrum der Wissenschaft und Spotlight sowie auf den Gästeabend, gesponsert vom Zeitverlag. Ein weiterer Höhepunkt ist sicherlich unsere Messe am Tagungsdienstag. Sie bietet Gelegenheit zum Networking, für Gespräche mit Geschäftspartnern aus den Buch- und Presseverlagen und weiteren Kooperationspartnern. Ich freue mich sehr auf unsere Tagung und den gemeinsamen Austausch.

Die Fragen stellte Ralf Deppe