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Stabile Performance in schwierigen Zeiten

Erstellt am 13. Dezember 2018 - 4 Minuten zum Lesen

Die Mitglieder des Verbandes Deutscher Bahnhofsbuchhändler haben sich Mitte November zur internen Mitgliederversammlung in Hamburg getroffen. Gäste der Veranstaltung waren die Verlage Gräfe und Unzer sowie Axel Springer.

Das Jahr 2018 hat die deutschen Bahnhofsbuchhändler vor „echte Herausforderungen“ gestellt, bilanzierte Peter Obeldobel, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bahnhofsbuchhändler, anlässlich der internen Herbstversammlung des Verbandes am 13. November in Hamburg. Die erwarteten Umsatzrückgänge im Bereich der Presse fielen etwas höher aus. Der Umsatz im Bereich Buch sei dagegen anfangs schwach gestartet, habe sich aber im Laufe des Jahres weitestgehend stabilisiert und bewege sich auf einem deutlich besseren Niveau. Erfreuliche Umsätze bescherten der Branche der Food- und der Non-Food-Bereich. Im Non-Food-Bereich war der Umsatztreiber unter anderem die Panini-Stickersammlung zur Fußball-Weltmeisterschaft in Russland.Die Entwicklung im Bereich Tabak war ebenfalls erfreulich.

Peter Obeldobel berichtete weiterhin über die Testergebnisse von Sampling- oder Gutscheinheftaktionen. Als äußerst effektiv haben sich im Bahnhofsbuchhandel verkaufsfördernde Maßnahmen insbesondere für Presse und Buch über Digital Signage erwiesen und sollen deswegen weiter forciert werden. Erfahrungen der Branche zufolge konnten die im Laden oder in den Schaufenstern über Monitore ausgestrahlten Spots in Kombination mit aufmerksamkeitsstarken Stapelpräsentationen zu signifikanten Umsatzsteigerungen bis zu 50 Prozent führen.

Die Marketingkommission will sich zukünftig diesen und weiteren Aktivitäten wie Gattungsmarketing-Aktionen, Schaufensterpromotion, Blind Date mit einem Buch etc. annehmen. Außerdem sollen zukünftig noch mehr neue, gemeinsame Marketingideen und –impulse entwickelt werden.

Anschließend wurde der neue Internetauftritt des Verbands vorgestellt, der in Kürze online geht. Der neue Aufritt in moderner Optik und Struktur erfüllt die Usability-Ansprüche der Nutzer und soll sukzessive um neue Ideen ergänzt
werden.

Wie bereits im vergangenen Jahr angekündigt, beteiligen sich die Verbandsmitglieder an der Suchplattform für Presseverkaufsstellen mykiosk.com. Zu 90 Prozent sei die Marktabdeckung erfolgt, referierte Christoph Herrnberger,
Leiter Medienvertrieb der Valora Retail. Der Prozess soll bis Ende des Jahres komplett vollzogen sein. Die Anbindung an mykiosk wird laut Herrnberger von den Verlagen sehr positiv aufgenommen. Vor allem Special-Interest-Verlage und Verlage, die Sonntagszeitungen herausbringen, begrüßen diesen Schritt.

Bereits zum dritten Mal wird im Frühjahr 2019 eine Kundenbefragung im Bahnhofsbuchhandel durchgeführt, die von Buch- und Presseverlagen sowie Nationalvertrieben mitgestaltet wird. Wie in den Jahren zuvor, sollen im ersten Teil der Befragung bestehende Inhalte abgefragt werden, um Veränderungen im Käuferverhalten zu analysieren. Der zweite Teil soll vertiefende Fragen zum Nutzerverhalten enthalten und sich mit weiteren neuen Themen befassen. Die Ergebnisse der 3.000 bis 4.000 Interviews werden wieder auf der Jahreshauptversammlung des Verbandes Deutscher Bahnhofsbuchhändler am 10. und 11. April 2019 in Berlin im Hilton Hotel vorgestellt.

Von Ratgebern bis zu Musikmagazinen
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung haben die Verlage Gräfe und Unzer sowie Axel Springer die Gelegenheit genutzt, den Bahnhofsbuchhändlern ausgewählte Titel und Strategien vorzustellen. Joachim Rau, Geschäftsführung Vertrieb im Gräfe und Unzer Verlag, stellte unter dem Titel „Herausforderungen und Chancen im Ratgebermarkt“ die Stärke der Warengruppe „Ratgeber“ des in München ansässigen und zur Verlagsgruppe Ganske gehörenden Verlages heraus. Rau hob in seinem Vortrag den Bahnhofsbuchhandel als überaus wichtigen Vertriebskanal für die Gräfe-und-Unzer-Titel hervor. Er unterstrich insbesondere die große Bedeutung der Backlist, die zwei Drittel des Umsatzes mache, während die Novitäten mit einem Drittel zu Buche schlagen.

Um die Wertigkeit der Titel und die Wiedererkennbarkeit der Marke im Handel zu gewähren, hat sich Gräfe und Unzer entschieden, das komplette Ratgeber-Programm zu überarbeiten. Die ersten vorgestellten Maßnahmen konnten bereits sehr erfolgreich umgesetzt werden. Außerdem teilte Rau mit, dass der Verlag sich künftig verstärkt und im ganzen Programm auf die Autoren und ihre Bekanntheit fokussieren will. Die Autoren können Prominente sein, aber auch Influencer oder Blogger, die ihre eigene Community mitbringen und so für Reichweite sorgen.

Anschließend sprach Dr. Arno Balzer, Mitgründer und Herausgeber der deutschen Ausgabe des monatlich im Axel Springer Verlag erscheinenden Wirtschaftsmagazins Bilanz. Er referierte über den aktuell schwierigen Stand der Wirtschaftspresse in Deutschland im Allgemeinen und über den Erfolg der Bilanz im Speziellen. Das monatliche Magazin erscheint seit 2014 in Deutschland, zunächst als Beilage in der Welt und anschießend mit einer Woche Verzögerung als separates Heft im Einzelhandel.

Am Beispiel der Bilanz unterstrich Balzer in seinem Vortrag, dass Qualitätsjournalismus gepaart mit inhaltlicher und konzeptioneller Kreativität im Print durchaus überlebensfähig sei und von den Lesern gewürdigt werde.
„Querdenken, freischwimmen, Konventionen brechen“, unter diesem Motto steht die vierte Ausgabe des wiederbelebten

Magazins Die Dame, die zwischen 1912 und 1937 vom Ullstein-Verlag herausgegeben wurde. Julia Knolle, als Redaktionsleiterin für diese Ausgabe verantwortlich, stellte Inhalt und Konzept des Magazins vor, das vom Kunstsammler und Unternehmer Christian Boros herausgegeben wird und im Axel Springer Media House erscheint.
Zum Abschluss der Herbstversammlung referierten Jördis Hagemeier, Redakteurin beim Musikexpress, und Sebastian Zabel, Chefredakteur von Rolling Stone Magazin, über die ebenfalls im Axel Springer Media House erscheinenden Musikmagazine. Ein gemeinsames Abendessen rundete die Herbsttagung ab.

Quelle: DNV - DER NEUE VERTRIEB 17/2018. Autorin: Aynur Kaya